Saskia-Rabea Schrade
Thema der Dissertation (siehe DFG-Projekt):
Zum Zusammenhang zwischen disziplinären Originalitätskonzepten und praktischen Orientierungen des Datenaustauschs
Dieses Forschungsprojekt basiert auf der bisher unerforschten Leitannahme, dass ein Zusammenhang zwischen disziplinären Originalitätskonzepten und praktischen Orientierungen des Datenaustauschs besteht, der durch das Streben nach wissenschaftlicher Reputation vermittelt wird. Frühere Arbeiten zur wissenschaftlichen Originalität haben gezeigt, dass die Zuschreibung wissenschaftlicher Reputation von der Generierung wissenschaftlichen Wissens abhängt, das als originell gilt. Dieser Zusammenhang wurde bisher nicht untersucht, obwohl es einige Belege dafür gibt: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nennen beispielsweise mangelnde wissenschaftliche Reputation als Hauptgrund für die Nichtfreigabe von Daten. Sie geben auch an, Daten nur dann freizugeben, wenn sie diese nicht mehr für hochkarätige Publikationen nutzen können, d. h. um ihre wissenschaftliche Reputation zu stärken. Daten werden hingegen freigegeben, wenn sie die Chancen auf die Generierung wissenschaftlich originellen Wissens erhöhen. Originalitätskonzepte variieren zwischen den Disziplinen, wie unsere eigenen früheren Arbeiten zu diesem Thema zeigen. Dies könnte ein wichtiger Grund für die disziplinären Unterschiede beim Datenaustausch sein. Ziel des Forschungsprojekts ist es, diesen Zusammenhang empirisch zu untersuchen. Dabei wird der Zusammenhang für die drei Disziplinen Biologie, Neurowissenschaften und Informatik untersucht.
Für die empirische Untersuchung werden offene Interviews mit den Direktoren, die letztlich über die Datenfreigabe entscheiden, und mit den Mitarbeitern, die diese umsetzen, in ausgewählten Forschungsprojekten der drei Disziplinen durchgeführt. Ziel des Projekts ist die Entwicklung einer Typologie von Praxisorientierungen, die mit den disziplinspezifischen Konzepten von Originalität in Beziehung gesetzt werden.